
Figure 02 bei BMW: Erste Erfahrungen aus der Produktion
Der humanoide Roboter Figure 02 des US-Unternehmens Figure AI absolviert seine ersten Praxisstunden im BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina. Wir werfen einen Blick auf die bisherigen Erfahrungen und was die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine in der Automobilfertigung bedeutet.
Die Automobilindustrie steht vor einem Paradigmenwechsel: Humanoide Roboter halten Einzug in die Fertigungshallen der großen Hersteller. BMW gehört zu den ersten Automobilkonzernen weltweit, die den Einsatz solcher Systeme im realen Produktionsumfeld erproben. Der Partner dabei ist Figure AI mit seinem Modell Figure 02, einem der technologisch fortschrittlichsten humanoiden Roboter auf dem Markt.
Was ist der Figure 02?
Figure 02 ist der Nachfolger des ersten kommerziellen humanoiden Roboters von Figure AI, einem 2022 gegründeten Startup aus Sunnyvale, Kalifornien. Das Unternehmen hat prominente Investoren wie BMW iVentures, Microsoft und OpenAI hinter sich. Der Roboter verfügt über 16 Freiheitsgrade in den Händen allein, was eine bemerkenswert feinfühlige Manipulation von Objekten ermöglicht. Mit einer Höhe von rund 1,70 Metern und einem Gewicht von etwa 70 Kilogramm bewegt sich Figure 02 in menschlichen Maßstäben und ist damit ideal für Arbeitsumgebungen ausgelegt, die ursprünglich für Menschen konzipiert wurden. Besonders hervorzuheben ist die integrierte KI, die auf Sprachmodellen von OpenAI basiert und dem Roboter ermöglicht, verbale Anweisungen zu verstehen und in Echtzeit darauf zu reagieren.
Aktuelle Entwicklungen
Im BMW-Werk Spartanburg, dem größten BMW-Produktionsstandort weltweit, werden Figure-02-Einheiten aktuell für strukturierte Aufgaben in der Karosseriefertigung eingesetzt. Zu den ersten zugewiesenen Tätigkeiten gehört das präzise Einlegen von Metallblechteilen in Haltevorrichtungen, eine repetitive, körperlich anspruchsvolle Aufgabe, die bisher ausschließlich von menschlichen Mitarbeitern übernommen wurde. Die ersten Berichte aus dem Werk zeigen, dass der Roboter diese Aufgaben mit zunehmender Präzision und Geschwindigkeit ausführt. Laut Figure AI lernt das System kontinuierlich durch sogenanntes Imitation Learning, bei dem der Roboter Bewegungsabläufe von menschlichen Kollegen beobachtet und diese iterativ verfeinert. BMW betont, dass der Einsatz der Roboter nicht auf Stellenabbau abzielt, sondern ergonomisch belastende Tätigkeiten übernehmen soll, um die Gesundheit der Belegschaft langfristig zu schützen. Dennoch bleibt die Diskussion über die Zukunft menschlicher Arbeit in der Industrie ein zentrales Thema. Herausforderungen bestehen weiterhin bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit im Vergleich zu erfahrenen menschlichen Arbeitern sowie bei der Fehlerrate unter wechselnden Produktionsbedingungen. Experten gehen davon aus, dass Figure 02 noch mehrere Iterationszyklen benötigt, um vollständig in den getakteten Serienablauf integriert werden zu können. Dennoch gilt das BMW-Projekt als wegweisendes Pilotprogramm, das der gesamten Branche wichtige Erkenntnisse liefert.