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Amazon und humanoide Roboter: Von Digit bis zur eigenen Entwicklung
7.7.2026AmazonLogistik

Amazon und humanoide Roboter: Von Digit bis zur eigenen Entwicklung

Amazon investiert massiv in humanoide Roboter und testet bereits den Agility-Roboter Digit in seinen Logistikzentren. Der E-Commerce-Gigant geht dabei weit ueber reine Partnerschaften hinaus und arbeitet offenbar an eigenen Roboter-Entwicklungen. Wir zeigen, wie Amazon die Zukunft der Lagerautomatisierung neu definieren will.

Der weltgroesste Online-Haendler Amazon verwandelt seine riesigen Fulfillment-Center Schritt fuer Schritt in hochautomatisierte Einrichtungen. Nachdem das Unternehmen jahrelang auf fahrerlose Transportfahrzeuge und stationaere Roboterarme gesetzt hat, richtet sich der Blick nun auf eine neue Generation von Helfern: humanoide Roboter, die sich frei im Raum bewegen und komplexe Aufgaben uebernehmen koennen. Dieser Strategiewechsel markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Lagerlogistik.

Digit: Der erste humanoide Roboter im Amazon-Lager

Den Anfang machte eine Kooperation mit dem US-amerikanischen Roboterhersteller Agility Robotics. Deren zweibeiner Roboter Digit wurde 2023 als erster humanoider Roboter offiziell in Amazon-Lagern getestet. Digit ist rund 1,75 Meter gross, laeuft auf zwei Beinen und verfuegt ueber bewegliche Arme mit greiffaehigen Haenden. Im Lageralltag bei Amazon soll Digit vor allem sogenannte Totes erledigen, also das Aufnehmen, Transportieren und Abstellen von Behaeltern und Kisten. Diese Aufgaben klingen simpel, sind fuer Roboter jedoch technisch anspruchsvoll, da sie raeumliches Urteilsvermoegen, Gleichgewicht und praezise Motorik erfordern. Amazon investierte im Rahmen der Partnerschaft auch direkt in Agility Robotics und unterstuetzte damit den Aufbau einer skalierbaren Serienproduktion. Die Testphase lieferte wertvolle Daten darueber, wie gut humanoide Roboter in die bestehende Lagerinfrastruktur integriert werden koennen.

Aktuelle Entwicklungen: Amazon baut eigene Expertise auf

Amazon belasst es nicht bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern. Interne Quellen und Stellenausschreibungen deuten darauf hin, dass das Unternehmen unter dem Dach seiner Robotics-Sparte aktiv an eigenen humanoiden Systemen forscht. Das Amazon Robotics-Team, das bereits Tausende von Lagerrobotern betreibt, soll gezielt Experten fuer bipede Fortbewegung, KI-gestuetzte Manipulation und maschinelles Lernen anwerben. Parallel dazu beobachtet Amazon den gesamten Markt fuer humanoide Roboter genau und hat Interesse an weiteren Partnerschaften oder Investitionen signalisiert. Konkurrenten wie Figure AI, 1X Technologies oder Apptronik stehen dabei ebenso auf dem Radar wie grosse Technologiepartner aus dem KI-Bereich. Amazons Cloud-Plattform AWS koennte dabei eine zentrale Rolle spielen, da humanoide Roboter enorme Rechenleistung fuer Echtzeitentscheidungen benoetigen und eine enge Integration mit KI-Diensten erfordern. Die Kombination aus eigener Hardware-Entwicklung, Cloud-Infrastruktur und KI-Know-how verschafft Amazon eine einzigartige Ausgangsposition im Wettbewerb um die fuehrende Rolle bei humanoiden Arbeitsrobotern.

Warum humanoide Roboter fuer Amazon so attraktiv sind

Der entscheidende Vorteil humanoider Roboter liegt in ihrer Vielseitigkeit. Waehrend spezialisierte Maschinen nur einzelne, klar definierte Aufgaben erledigen koennen, soll ein humanoider Roboter theoretisch jeden Job uebernehmen, der fuer einen menschlichen Mitarbeiter ausgelegt wurde. Amazon-Lager sind auf menschliche Koerperproportionen und Bewegungsablaeufe ausgerichtet: Regale in bestimmter Hoehe, Gangbreiten fuer Menschen, Behaelter mit bestimmten Griffflaehen. Ein Roboter mit menschlicher Form kann diese Umgebung ohne teure Umbauten nutzen. Hinzu kommt der wirtschaftliche Druck: Amazon beschaeftigt weltweit ueber eine Million Menschen, viele davon in koerperlich belastenden Lagertaetigkeiten. Hoehere Loehne, steigende Unfallkosten und Personalfluktuation erhoehen den Anreiz, repetitive Aufgaben zu automatisieren. Humanoide Roboter koennten langfristig nicht nur Kosten senken, sondern auch die Arbeitssicherheit verbessern, indem sie gefaehrliche oder ermuedende Taetigkeiten uebernehmen.

Herausforderungen und Ausblick

Trotz aller Fortschritte stehen humanoide Roboter im industriellen Einsatz noch vor erheblichen Huerden. Zuverlaessigkeit, Wartungsaufwand, Ladezeiten und die Faehigkeit, auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren, sind Bereiche, in denen aktuelle Systeme noch hinter menschlichen Mitarbeitern zurueckbleiben. Amazon selbst kommuniziert vorsichtig und betont, dass humanoide Roboter Menschen unterstuetzen und nicht ersetzen sollen. Branchenexperten rechnen damit, dass ab 2026 erste skalierbare Einsaetze in Amazon-Lagern Realitaet werden koennten. Bis 2030 ist es denkbar, dass Tausende humanoider Roboter Seite an Seite mit menschlichen Kollegen arbeiten. Amazons Engagement zeigt deutlich: Der Wettlauf um den humanoiden Arbeitsroboter hat begonnen, und der E-Commerce-Riese will ganz vorne mit dabei sein.